Geburtsbericht: der geplante Kaiserschnitt

Die neue Woche begrüßen wir mit einer wunderschönen, emotionalen Geburtsgeschichte, die sicherlich vielen Frauen Mut macht und Schrecken nimmt. Die frischgebackene Mama Svenja aus Berlin erzählt uns auf sehr herzliche Art und Weise von ihrem geplanten Kaiserschnitt, der aus medizinischer Sicht notwending war. Wie sie die „Vorbereitung“ auf den Kaiserschnitt erlebt hat, den Tag selbst und das Danach – Svenja lässt uns einfühlsam teilhaben an diesem wertvollen Erlebnis. Danke für diesen persönlichen, intimen Einblick liebe Svenja!

Übrigens haben wir auf mummy&mini auch schon die süße Moustache Babyparty gezeigt, die Svenja für ihren Sohnemann selbst geplant hat.

Unsere Kategorie Geburtsgeschichten ist übrigens noch ganz jung und daher freuen wir uns über alle, die uns an diesem Erlebnis teilhaben lassen. Wenn ihr Interesse habt, uns von eurer Geburt zu erzählen, dann schreibt uns über unser Kontaktformular an. Wir freuen uns von euch zu hören!

Babybauch bilder (1)

Ich kann mich noch genau an den Moment erinnern, als mein Mann und ich beschlossen: wir hätten gerne ein Kind! Es war im Frühjahr 2016 und ein Urlaub stand vor der Tür – Sonnenschein, das Feeling Mexikos und wir fühlten uns toll. Um es vorweg zu nehmen: Nein, dort ist unser Kleiner nicht entstanden! Aber wir hatten das große Glück, dass ich kurz danach schwanger wurde.

Wow, ein unglaublich schönes Gefühl! Mein Mann und ich rasteten förmlich aus vor Freude! Eigentlich wollte ich es ihm an unserem Hochzeitstag, dem 05.05. sagen, hielt es dann aber doch nicht aus. Aber Moment, ich schweife ab, das ist eine andere Geschichte. Eigentlich möchte ich ja etwas ganz anderes erzählen. Nämlich, dass ich aufgrund eines 3-fachen Bandscheibenvorfalls in der Halswirbelsäule von 2014 mit den Ärzten direkt über Möglichkeiten der Geburt gesprochen hatte. Alle waren sich einig, ich solle mich auf einen Kaiserschnitt einstellen, um die noch instabilen Bandscheiben durch das Pressen in den Wehen nicht zu sehr zu belasten.

Und genau hier fing mein „Drama“ an. Als ich mich zum ersten Mal mit dem Thema Kaiserschnitt befasste, tat ich, was viele Bald-Mamis tun: googeln! Und das ist das Schlimmste, was man überhaupt machen kann. Das erkannte ich zwar schnell, doch es war schon zu spät. Ich hatte die Worte derer im Kopf, die über ihren Kaiserschnitt schrieben. Sie sagten, wie furchtbar dies war. Sie sagten, sie würden dem nie wieder zustimmen. Sie sagten, es hätte sie traumatisiert. Ich schluckte. Je mehr ich mich damit befasste, desto krasser wurden die negativen Stimmen. So viele Frauen, die Horrorstorys verfassten.

Tja, und dann kam der Punkt, an dem ich beschloss, dass mich das nicht interessiert. Egal, was andere sagen – bei mir wird es sowieso anders. Ich bin stark, ich habe bisher alles geschafft. Warum das also nicht? Und plötzlich hatte ich keine Angst mehr. Ich dachte, sie käme bestimmt kurz vor der Geburt zurück, doch dem war nicht so. Und: es wurde tatsächlich ein Kaiserschnitt! Allerdings weil mein Kleiner falsch herum lag, und das Köpfchen weiter oben war. Warum und weshalb, das würde jetzt zu weit führen. Ich hätte mich eigentlich für eine natürliche Geburt entschieden, trotz der Bandscheiben. Aber so sah ich es als Wink des Schicksals an. Es war mir von Anfang an egal, ob natürlich oder nicht – Hauptsache, es ist das Beste für mein Kind und mich.

Einen Tag vor meinem Entbindungstermin gönnte ich mir selbst einen Beauty-Tag, ging zum Friseur und zur Pediküre. Wenn schon ein Kaiserschnitt, dann wollte ich mich wenigsten rundum wohl fühlen. Nennt mich ruhig eitel, aber es hat mir unglaublich geholfen. Mein Geist war gestärkt, mein Wohlbefinden zu 100 % vorhanden – perfekt! Und dann kam er, der 05.01. Ganz früh um 7.00 Uhr sollten wir uns im Klinikum einfinden, für 8.00 Uhr war die OP angesetzt. Wir wurden sehr freundlich empfangen und noch immer: von Aufregung keine Spur. Ich freute mich einfach unglaublich, gleichzeitig konnte ich nicht glauben, was gleich passieren sollte. Gut gelaunt schossen mein Mann und ich umgezogen in den „sexy“ OP-Kitteln ein paar Selfies. Es wurde 8.30, 9.00 Uhr und noch immer wurden wir nicht abgeholt. Wir erfuhren, dass ein Notkaiserschnitt bei einer anderen Frau durchgeführt werden musste, und sie Vorrang hatte – ganz klar. Aber nun stieg meine Nervosität doch – Stück für Stück erinnerte ich mich wieder an die Geschichten, die schrecklichen Geschichten.

Endlich, um 9.30 Uhr kam die Hebamme und brachte mich zur Vorbereitung in den Saal. Mein Mann musste draußen warten, bis alles fertig präpariert war. Alleine und mit zitternden Händen folgte ich der Dame und traf auf „mein Team“. Allen voran der Anästhesist, den ich bereits im Vorfeld zur Besprechung kennengelernt hatte. Ein witziger Mann, dessen trockenen Humor ich schätzte. „Ich habe den Operateuren schon gesagt, dass nun angerichtet ist“, begrüßte er mich, und ich musste so sehr lachen, dass meine Aufregung verflogen war. Man setzte mich auf eine Liege und bat mich, einen Katzenbuckel für die Spinalanästhesie zu machen. Ehrlich gesagt war mir beim Gedanken daran immer schon etwas flau im Magen gewesen. Am meisten fürchtete ich mich erstaunlicherweise genau davor. Etwas unruhig schaute ich umher und wartete auf die Spritze in meinen Rücken. Und da kam mein rettender Engel: eine Schwesternschülerin kniete sich vor mich hin, nahm meine beiden Hände und sagte, ich solle sie ansehen. Nun hatte ich einen Punkt, auf den ich mich konzentrieren konnte, ich war ihr so dankbar! Und zack, war es auch schon vorbei! „War es das schon?“ „Na klar, wollen Sie noch eine?“ Man, das war ja gar nicht schlimm! Nur ein kleiner Piekser und etwas Druck im Rücken. Schmerzen? Nein, kann man so nicht behaupten. Innerhalb von Sekunden spürte ich ab meiner Brust abwärts nichts mehr. Ich konnte mich nicht mal mehr selbstständig hinlegen. Das war etwas unheimlich, aber auch interessant.

Ich scherzte viel mit dem Team, und wir lachten unglaublich viel. Es war eine tolle Stimmung, voller Vorfreude – anders kann ich es gar nicht sagen. Die leitende Gynäkologin war nicht verheiratet und so versprach ich, je schöner sie meine Naht macht, desto mehr Rabatt bekommt sie mal für ihre Hochzeitsplanung bei mir. Fanden wir alle urkomisch! Später sagte mein Mann, man hätte uns sogar auf dem Flur noch lachen und gackern gehört. Tja, was soll ich sagen, wir hatten einfach wirklich Spaß! Ein Tuch wurde gespannt, um den zu operierenden Bereich abzutrennen. Das bedeutete auch, dass ich selbst keine freie Sicht mehr auf meinen Körper hatte. Nun durfte auch mein Mann wieder zu uns stoßen und nahm an meinem Kopfende auf einem Stuhl Platz. Plötzlich ging alles ganz schnell: Um ca. 10.00 Uhr fingen sie an zu schneiden. Ich spürte rein gar nichts, null! Dann ein kurzes Ruckeln und schon sagte die Hebamme: „Willkommen auf der Welt!“ Was? Er ist schon da? Wie bitte? Das war die ganze Geburt? Du meine Güte!

Der Kleine wurde in eine Decke gewickelt und sofort zu uns gebracht. Papa und Mama hielten ihr Baby im Arm, und es gab kein Halten mehr. Die Tränen liefen uns beiden über das Gesicht. Er war so schön, so vollkommen, so erwünscht. Ein Wunschkind, unser Wunschkind! Während ich genäht wurde, zog uns unser Baby in seinen Bann – innerhalb von Sekunden waren wir über beide Ohren verliebt. „Wie heißt er denn?“, fragte die Gynäkologin. „Vincent Johann Anton“, antwortete ich wie in Trance. Ich bin Mama…ich bin Mama…schoss es mir immer wieder durch den Kopf. Zeit der Geburt: 10:02 Uhr. Nun ging es für uns drei zur Überwachung in einen Raum. Wir waren alleine und konnten uns zum ersten Mal so richtig ansehen. Vincent wurde dort gewogen und ein bisschen gesäubert, ich atmete durch, Udo rief unsere Eltern an um zu sagen, dass alles in Ordnung ist. Kurz wurde mir schlecht von der Anästhesie oder der Aufregung, ich weiß es nicht. Jedenfalls musste ich mich übergeben. War aber halb so schlimm. Status der Schmerzen: 0,0. Kein Wunder, ich bekam auch Schmerzmittel über eine Infusion.

Dann kam der nächste Schritt: wir durften endlich auf die Station und in unser Zimmer. Wir hatten Glück, und das von uns nachgefragte Einzelzimmer stand zur Verfügung. Vincent fest im Griff wurde ich in meinem Bett von einer Schwester gefahren, mein Mann stapfte mit dem Gepäck hinterher. Endlich angekommen erklärte uns die Schwester, wir müssten etwas warten – denn sie benötige Unterstützung, um mich in das andere Bett zu heben. Ungeduldig, wie ich nun mal bin, entschied ich, dass ich alleine aufstehen und die 2 Schritte gehen könne. Ich hatte bereits im Vorfeld gehört, dass je schneller man nach einem Kaiserschnitt aufsteht, desto früher beginnt die Heilung. Also nichts wie los, einfach mal probieren. Etwas wackelig aber dennoch sicher schaffte ich es ins andere Bett – völlig schmerzfrei. Als die Infusion dann zu Ende war, bekam ich 3x täglich Schmerztabletten, eine Mischung aus Ibuprofen und Paracetamol. Beide können auch stillende Mamas zu sich nehmen. Und genau das war dann auch meine einzige Aufgabe: stillen! Ach nein, kuscheln auch noch. Ich war so unglaublich fasziniert von meinem kleinen Wesen.

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich weiter erzählen wollte. Nachdem ich immer so viel Schlechtes über Kaiserschnitte gehört hatte, wurde mir zum ersten Mal klar: hey, ich kann diesen Meinungen nicht zustimmen. Ja, es ist etwas merkwürdig, von einer Minute auf die andere Mama zu sein. Aber traumatisiert war ich deshalb nicht. Und die Schmerzen? Ja, total angenehm war es nicht. Aber bereits am Abend stand ich auf und lief selbstständig (ganz langsam natürlich) zum Abendessenbuffet. Duschen durfte ich am nächsten Tag, was ich auch sofort machte. Alle sahen mich immer ganz erstaunt an: „Du läufst schon?“ Ja klar, worauf denn warten? Ich fühlte mich gut, war glücklich und medizinisch stand dem nichts im Wege. Mit Tippelschrittchen ging es immer zu den Mahlzeiten und später zum Kinderarzt zur U2. Mich stolze Mum konnte nichts aufhalten. Nach einem erneuten Check von Vincent und mir beschlossen wir, bereits am 3. Tag nach Hause zu gehen. Ich kam im Krankenhaus einfach nicht zur Ruhe, es war mir zu laut und hektisch. Und nachdem mein lieber Mann drei Wochen Urlaub hatte, konnte er sich um uns kümmern.

Sobald wir zu Hause waren, entspannte ich total, und auch Vincent wirkte relaxter. Endlich war er bei uns, und unser Familienalltag konnte kommen. Die Schmerztabletten nahm ich noch eine Zeit weiter, ließ zuerst Paracetamol weg, reduzierte dann auch die Ibuprofen und ließ alles ausschleichen. Nach knapp 2,5 Wochen nahm ich gar nichts mehr und lief die Treppen im Haus schon etwas schneller. Tägliches Spazierengehen half mir außerdem, schnell wieder fit zu werden und den Kopf frei zu bekommen.

Ihr ahnt es schon – mein Fazit fällt etwas anders aus als so mancher Geburtsbericht, den ich im Netz gelesen hatte. Nein, ich fand den Kaiserschnitt überhaupt nicht schlimm. Ich hatte keine Schmerzen bei der Geburt an sich, aber auch später war alles halb so wild. Ich habe mich einfach von vornherein darauf eingestellt, dass es sicher nicht die tollste Zeit wird, und ich Schmerzen haben werde. Vielleicht war es genau dieses Wissen in meinem Kopf, das mich erstaunt feststellen ließ: „Hey, alles nicht so schlimm wie gedacht!“

Ich möchte anderen Frauen da draußen Mut machen. Verzweifelt nicht, habt keine Angst! Je besser Du Dich innerlich darauf vorbereitest, und je früher Du bereit bist mitzumachen, aufzustehen, desto besser kann es laufen. Daran glaube ich ganz fest. Es kommt etwas dabei heraus, für das es sich lohnt, und daran solltest Du immer denken.

Die Liebe zu Deinem Kind wird Dir Kraft geben! In diesem Sinne: Ich wünsche Euch eine aufregende, tolle Geburt – ob mit oder ohne Kaiserschnitt! Svenja

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Fotos: Honeymoon Pictures

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